Mitarbeiter gesucht – WN 03.09.2019

Team der Notfallseelsorge im Kreis Warendorf sucht Mitstreiter

Erste Hilfe für die Seele

Kreis Warendorf – Balsam für die Seele: So empfindet Magdalena Kofoth die Umarmung des Mädchens, das wenige Stunden zuvor seinen Vater verloren hat. Ganz plötzlich war er zu Hause gestorben. Magdalena Kofoth wurde als Notfallseelsorgerin hinzugerufen, hat sich mehrere Stunden um die Jugendliche gekümmert. „Man bekommt viel zurück“, sagt die 54-jährige Freckenhorsterin.

Seit gut einem Jahr gehört sie zum Team der Notfallseelsorge im Kreis Warendorf. Allein in diesem Jahr hat sie bisher 17 Einsätze übernommen. Todesfälle im häuslichen Bereich, nach einem Unfall oder einem Suizid, gehörten dazu. Auch Todesnachrichten musste sie überbringen. Ehemann und Diakon Martin Kofoth ist bereits seit sieben Jahren Notfallseelsorger. Gemeinsam mit 34 weiteren Personen, davon die Hälfte Ehrenamtliche, decken sie die ökumenische Notfallseelsorge im Kreis ab.

„Es dürften mehr sein, der Bedarf ist da“, weiß Pfarrerin Alexandra Hippchen, Koordinatorin für die Notfallseelsorge im Münsterland. Gemeinsam mit Michael Spanke, Geschäftsführer des katholischen Kreisdekanats Warendorf, organisiert sie das System und die Einsätze, von denen es im vergangenen Jahr 115 gab. „Wir setzen immer mehr auf Ehrenamtliche, die von uns gut ausgebildet werden“, erklärt Hippchen. Aus- und Fortbildung werde großgeschrieben. „Nur so können die Notfallseelsorger Betroffene wirklich unterstützen und auch selbst vor belastenden Situationen ausreichend geschützt werden.“

Martin Kofoth hat schon viel Erfahrung in dem Bereich: „Wir leisten Erste Hilfe für die Seele“, erklärt er. Betroffenen und Angehörigen in den ersten Stunden nach einem Notfall beistehen, Angehörige bei der Identifizierung von Toten begleiten und an der Seite der Polizei sein, wenn diese eine Todesnachricht überbringen muss – all das gehört zum Dienst dazu. „Es geht um Nähe und Präsenz, Worte sind in diesen Situationen besonders wichtig“, weiß er. Immer wieder gebe es aber auch Menschen, die nicht reden können. „Dann wird gemeinsam geschwiegen.“

Das Ehepaar leistet sein Ehrenamt aus dem Glauben heraus, doch ob und woran ihr Gegenüber glaubt, spielt für die Freckenhorster keine Rolle. „Ich gehe mit dem lieben Gott in die Situation hinein, er sitzt bei mir auf der Schulter. Und wenn ich ihn überspringen lassen darf, ist es für mich ungleich einfacher. Wenn nicht, dann ist das auch in Ordnung“, sagt Magdalena Kofoth.

Der neue Grundlagenkurs startet im Herbst und richtet sich an haupt- und nebenamtliche Seelsorger sowie an Menschen, die sich eine Mitarbeit in der Notfallseelsorge vorstellen können. Bestandteil des Kurses sind die Einführung in die Technik der Gesprächsführung, Grundlagen der Psychotraumatologie, Umgang mit Kindern oder auch Worte und Rituale in der Notfallseelsorge. Neben der Teilnahme an fünf Fortbildungswochenenden, die zwischen Oktober und Februar 2020 in Münster stattfinden, sind ein Mindestalter von 25 Jahren, psychische Gesundheit, Fahrtüchtigkeit sowie die Bereitschaft, nach der Ausbildung mindestens ein Jahr lang als Notfallseelsorge tätig zu sein, Voraussetzung für den späteren Einsatz. Die Ausbildung ist kostenlos.

Infos geben Alexandra Hippchen,Tel.02 51 / 5 46 80 oder E-Mail: alexandra.hippchen@gmail.de sowie Michael Spanke,Tel.0 25 81 / 92 47 10; E-Mail: kd-warendorf@bistum-muenster.de.

Quelle
 
Verlag : Westfälische Nachrichten
Publikation : Warendorf
Ausgabe : Nr.204
Datum : Dienstag, den 03. September 2019
Seite : Nr.21

 


20190903-021-543722-3335039-3335039

Aufrufe: 29